Waldensergemeinde · Perouse (Rutesheim ) LUX LUCET IN TENEBRIS · Licht scheint in der Finsternis · Waldenserort

Perouse

Im Jahr 1698 war in Württemberg der 30jährige Krieg schon lange vorbei. Aber das Land war noch vielerorts verödet, Dörfer halbleer, Felder lagen brach und  Armut war verbreitet.

Herzog Eberhard Ludwig von Württemberg erfuhr vom Schicksal der Waldenser und bot ihnen in Württemberg eine neue Heimat an. Ungenutztes Land und freie Glaubensausübung sicherte er ihnen zu.  Bürgermeister, Pfarrer und Lehrer sollten sie selbst erwählen dürfen, Französisch als Amts- und Schulsprache beibehalten können, und 15 Jahre lang brauchten sie weder Steuern bezahlen noch mussten sie Frondienste leisten.

Die Waldenser kamen, wurden von der einheimischen Bevölkerung aber keineswegs gern gesehen! Sie unterschieden sich in ihrer Art, ihrer Kleidung und in ihrer Sprache zu stark  - ähnlich heutigen Asylanten wollte man anfangs mit ihnen nichts zu tun haben. Um Maulbronn, Leonberg und Calw wurde den "Welschen" Land zugewiesen, wo sie abseits von der heimischen Bevölkerung auf der Gemarkung bestehender Dörfer neue Dörfer gründeten (Corres, Serres, Neuhengstett, Pinache, Perouse u.a.). Perouse lag auf dem Gebiet von Heimsheim - am äußersten Zipfel der Gemarkung.

Unser Waldenserort Perouse wurde am 13. Juni 1699 von 71 Familien (242 Personen) ge­gründet. Zur Erinnerung an ihren Heimatort Perosa im unteren Tal des Chisone nannten sie ihren neuen Ort Perouse.

In ihrer Heimat waren die Waldenser Hirten und Viehzüchter gewesen. Sie kannten keinen Ackerbau. Sie mussten lernen, das Vieh einzuspannen, und Feldarbeit zu verrichten - und sie mussten sich quasi nebenbei ihr Dorf bauen. 20 Jahre nach Gründung 1720 bestand Perouse aus 23 Baracken und 34 Häusern. 1738 hatten sich die Bewohner einen Betsaal errichtet, der später zur Kirche ausgebaut wurde.

Bis 1823 (über 120 Jahre) wurde die Predigt in französischer Sprache gehalten. Am 10. Oktober 1823 wurde die Gemeinde mit der Ev. württem­bergischen Landeskirche vereinigt.

Im Jahr 1839 hat Perouse der Stadt Heimsheim die Markungsrechte für 3.924 Gulden abgekauft, war damit eine selbständige Gemeinde. Im Zuge der Gemeindereform votierten 73 % der Perouser für Rutes­heim. Am 1.1.1972 erfolgte der freiwillige Zusammenschluss mit Rutesheim. Seither sind wir eine Gemeinde. In guter Erinnerung ist sicher auch noch das Jubiläums- und Gedenkjahr 1999 mit seinen zahlreichen Veranstaltungen und mit der Aufstellung des von Frau Corinna Beutelspacher-Stehle aus Rutesheim gefertigten Gedenk­steins in der Waldenserstraße mit dem Wahlspruch der Waldenser:

Lux lucet in tenebris (Das Licht leuchtet in der Finsternis).