Waldensergemeinde · Perouse (Rutesheim ) LUX LUCET IN TENEBRIS · Licht scheint in der Finsternis · Waldenserort

Die Waldenser

Die Waldenserbewegung geht auf den Kaufmann Valdes aus Lyon zurück. Es wird berichtet, dass bei einem ausgelassenen Fest ein Freund des Kaufmanns Petrus Waldus starb. Der reiche Kaufmann begann sich Gedanken über den Sinn seines Lebens zu machen.  Und er wollte dazu die Bibel verstehen. So ließ er sie ins französische übersetzen. Anschließend zog Petrus Waldus als armer Büßer im Wollgewand und Holzsandalen durch die Alpentäler zwischen Frankreich und Italien. Er und seine "Freunde" erklärten den Menschen die Bibel und lasen aus der Heiligen Schrift vor. Dabei wurden auch die Missstände der damaligen kirchlichen Herrschaft offensichtlich. Das Volk nannte die wandernden Laienprediger "die Armen von Lyon." Die Waldenserbibel, die jeder lesen und verstehen konnte, wurde zur Grundlage des unerschütterlichen Glaubens der Waldenser. So breiteten sich vom 13. bis zum 15. Jahrhundert die Waldenser in weiten Teilen West- und Mitteleuropas aus. Allerdings wurden sie als Ketzer verfolgt, und konnten sich deshalb nur südlich der Alpen behaupten.

Besonders schwere Verfolgungen fanden in den Jahren 1400 und 1477 statt.


Was wurde den Waldensern vorgeworfen?!

Verurteilte Glaubenssätze der Waldenser zu Straßburg (Anfang des 13. Jahrhunderts) aus www.glaubensstimme.de 

Und so geschah es. Er selbst und gegen 80 seiner Glaubensgenossen wurden zum Scheiterhaufen verurteilt. Vorher aber wurde ihnen die Ursache ihres Todes vorgehalten. 17 Sätze ihrer Lehre, die ganz besonders ketzerisch erschienen. Die wichtigsten wenigstens sollen hier stehen. Denn damit haben die Feinde selber wider Willen bekannt, daß sie treue Zeugen und Jünger Jesu umbrachten:

"Zum ersten: Sie glauben und lehren, man solle Gott allein durch Christus im Geist und Glauben anbeten. Darum seien alle Bilder und jegliche Verehrung derselben zu verwerfen. Das ist eine Ketzerei wider die heilige römische Kirche und ärgerlich zu hören.

Daß der Papst ein Herr sei über die ganze Welt und alle Königreiche auf Erden, auch die Macht habe, Gottes Wort zu mehren oder zu mindern, glauben sie nicht. Das ist eine Ketzerei usw.

Des Papstes Ohrenbeichte, Absolution und Bann halten sie für unnötig; denn Menschen könnten trügen und lügen. Der Papst sei ein Mensch, darum könne er irren. Ein frommer Laie könne besser absolvieren denn ein böser Priester, weil Gott spricht: Ich werde euren Segen verfluchen. (Mal. 2,2). Das ist eine Ketzerei.

Der Priester Messe komme den Toten nicht zunutz, denn es könne kein Fegfeuer bewiesen werden. Nur der Geiz habe solches erdacht, damit die Geistlichen der Welt Güter an sich bringen. Denn ohne Geld beten sie weder für Tote noch Lebendige. Das ist eine große Ketzerei.

Christus und seine Jünger sind arm gewesen, haben der Welt Güter verschmäht. Der Papst nimmt mit Gewalt aller Welt Güter an sich, verschwendet alles auf schändliche Weise, so doch solches den Armen sollte gegeben werden. Das ist eine Ketzerei.

Ein jeder, er sei geistlich oder weltlich, möge trotz seines Gelübdes zur Ehe schreiten. Das sei besser, als ein anstößiges Leben zu führen. Das ist eine ärgerliche Ketzerei."


Quelle: Heinrich Fliedner - Ein Märtyrervolk ohnegleichen, Druck und Verlag der St. Johannis Druckerei, o.J.

 

 

1532 schlossen sich die übriggebliebenen Waldenser der Reformation an und bildeten 1559 eine eigene kleine reformierte Kirche. Ab 1562 bestanden die Waldenser nur noch in den Cottischen Alpen (, damals teilweise französisch, teilweise italienisch / Savoyen-Piemont).

1685 begannen erneute Verfolgungen. Soldaten des "Sonnenkönigs" Ludwig XIV. von Frankreich nahmen über 14.000 Waldenser gefangen und töteten viele. Kinder wurden in Klöstern und zu fremden Familien gebracht, um aus ihnen wieder Katholiken zu machen. 

Ausländische Regierungen setzten sich schließlich für die Gefangenen ein. Daraufhin wurden sie freigelassen, jedoch für immer aus der Heimat vertrieben.

Im Herbst des Jahres 1686 zogen die ersten derart Vertriebenen über die verschneiten Berge in die Schweiz. Viele überlebten die Strapazen nicht.

1698 wurden noch einmal 3.000 Waldenser aus ihrer Heimat ausgewiesen. Es waren die Bewohner der Täler Perouse oder Perosa und Pragela. Sie wurden in Württemberg, Baden und Hessen aufgenommen.

Perouse ist eine der Ortsgründungen. In der Nähe liegen noch Waldenserorte wie Großvillars (Oberderdingen), Kleinvillars (Knittlingen, Enzkreis), Pinache  (Wiernsheim) und Serres (Wiernsheim).

 

Im 19. Jahrhundert zogen noch viele Waldenser aus dem Piemont nach Amerika. Trotz allem konnten sich Waldenser im westlichen Alpengebiet, in Piemont und Savoyen, behaupten. 1848 gründeten sie die italienische Waldenserkirche. Sie hat heute etwa 45.000 Mitglieder (mit Tochtergemeinden auch in Südamerika) und ist eine wichtige Stimme des Protestantismus in Italien.

 

Übrigens: Henri Arnoud soll 1701 in Schönenberg bei Mühlacker die ersten Kartoffeln im deutschen Südwesten gepflanzt haben. Auch die Futterpflanze Luzerne brachten die Waldenser mit.